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  Börse Online
Quelle:  Börse Online, Ausgabe, 46/2005
Firma:  First Real Estate Ltd.
Zitat:  Balancieren auf unsicherem Terrain

In einer Niedrigzinsphase wie derzeit interessieren sich viele Anleger für direkt von Unternehmen vertriebene Anleihen mit hohen Renditeversprechen. Doch die Risiken der Papiere sind beträchtlich.

„Sechs Prozent Zinsen für fünf Jahre ohne Kursrisiko" - immer wieder finden sich Anzeigen mit solchen Versprechungen. Dabei handelt es sich meist um Anleihen, die direkt vom Emittenten vertrieben werden. Die Renditen klingen in einer Niedrigzinsphase verlockend für viele Bürger. Eine „massive Zunahme unseriöser Angebote auf dem Sektor der Unternehmensanleihen" verzeichnet daher Volker Pietsch, Vorstand des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (Dias): „Viele Anleger setzen ,Kein Kursrisiko' zu Unrecht gleich mit ,kein Risiko'." Der vermeintliche Vorteil ist sogar ein Nachteil, denn in der Regel heißt das, dass die Papiere an keiner Börse notiert sind und schwer veräußerbar sind.
Wirklich attraktiv sind solche Unternehmensanleihen selten. Gewöhnlich entscheiden sich Firmen für den Direktvertrieb, wenn sie über andere Kanäle kein Geld bekommen oder deutlich höhere Zinsen bieten müssten. Wenn es sich nicht gerade um eine Mini-Emission handelt, sollte ein fehlendes Rating aufhorchen lassen. Anleger müssen genau prüfen, wem sie einen Kredit gewähren - denn nichts anderes ist eine solche Anleihe. Oft wird auf Sachwerte verwiesen. Doch Immobilien und ähnliches bieten nicht unbedingt eine Sicherheit. Die Alarmglocken sollten schrillen, wenn sich Vertriebsleute unaufgefordert per Telefon melden, den Interessenten unter Zeitdruck setzen wollen oder Risiken nicht erwähnen oder herunterspielen.
Stutzig machen sollten auch Renditen, die den Zinssatz für Bundesanleihen vergleichbarer Laufzeit ungewöhnlich deutlich übersteigen. „Eine derart wundersame Geldvermehrung - in einigen Fällen sogar mit einer ‚Kapitalschutzgarantie’ schließt grundsätzlich den dringenden Verdacht eines Schneeballsystems nicht aus", warnt Pietsch. Ein solches System bricht in sich zusammen, wenn keine neuen Anleger mehr gewonnen werden. Direktanleihen sind nicht durch ein Einlagensicherungssystem gegen Totalverlust geschützt und fallen nicht unter eine staatliche Aufsicht. Für die Altersvorsorge sind sie viel zu riskant.
Das Dias hat daher eine nach seiner Auffassung „Liste unseriöser Angebote“ aufgestellt (www.dias-ev.de). Die folgenden fünf Anbieter sowie VermögensGarant (siehe Seite 64) sind dort aufgeführt. Die Offerten sind für sicherheitsbewusste Anleger ungeeignet. Weitere Informationen sind unter www.anlageschutzarchiv.de zu finden, mit dem BÖRSE ONLINE kooperiert.

LEIPZIG-WEST
Hohe Schulden

Die Wohnungsbaugesellschaft LeipzigWest AG bietet derzeit Inhaber-Teilschuldverschreibungen mit 6,25 Prozent Zinsen pro Jahr für drei Jahre an. Sie hat hohe Verbindlichkeiten. Ende 2004 standen Anleihen über 215 Millionen Euro aus. Die Hälfte davon hatte eine Restlaufzeit von nur einem Jahr. So erstaunt es nicht, dass der Erlös der aktuellen Anleihenemission laut Prospekt „auch der Ablösung bisher ausgegebener Inhaber-Teilschuldverschreibungen dienen“ kann. Das Unternehmen verwies auf Nachfrage „mit Nachdruck“ auf den Inhalt der Prospekte. Dem schließt sich BÖRSE ONLINE an.

FIRST REAL ESTATE
Haken in Minischrift

First Real Estate Grundbesitz aus Düsseldorf bietet eine „Industrie-Inhaberschuldverschreibung“ für die Beteiligung ECO Pack mit 5,79 Prozent Zinsen pro Jahr an. In Minischrift weist die Anleiheschuldnerin darauf hin, „dass die Inhaberschuldverschreibung auch zur Tilgung vorangegangener Anleihen benutzt werden kann." Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen Verantwortliche: Verdacht auf Anlagebetrug. First Real Estate wehrt sich: Das seien haltlose, nicht aktuelle Vorwürfe. Eine Anlage sei nicht mit hohen Risiken verbunden.

EECH
Zukunft verbucht

Die European Energy Consult Holding aus Hamburg hat bis vor kurzem ihre „Euro Anleihe Solar" mit 8,25 Prozent Zinsen pro Jahr platziert. Beim Jahresabschluss 2004 warnen die Wirtschaftsprüfer, die Werthaltigkeit von ausgewiesenen Forderungen über 8,8 Millionen Euro hänge „von der zukünftigen erfolgreichen Kapitalisierung" der betroffenen Geschäftspartner ab. EECH verweist auf die gute Bonitätseinschätzung durch Creditreform. Das ist eine Zeitpunktbetrachtung, die nichts über die Finanzkraft zur Rückzahlung der Anleihen aussagt. Gegen EECH-Vorstand Tarik Ersin Yoleri ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin wegen seiner Tätigkeit für die heute insolvente Appel Grundvermögen AG. Eine Routineermittlung wie nach fast jeder Insolvenz, argumentiert EECH. Yoleri selbst habe drei Millionen Euro Forderungen gegenüber Appel.

DM BETEILIGUNGEN
Scheine für die Zinsen

Der Prospekt auf der Webseite von DM Beteiligungen aus Düsseldorf preist eine fünfjährige Inhaber-Teilschuldverschreibung mit 6,85 Prozent Zinsen pro Jahr an. Der Erlös kann unter anderem zur Tilgung von „sonstigen Verbindlichkeiten" und von Genussrechts-Kapital verwendet werden. Die Anleihekäufer erhalten Zinsscheine, die sie einschicken müssen, um die Zinsen zu erhalten. Wer die Papiere verliert, geht leer aus. Im 2003er-Jahresabschluss wies DM Aufwendungen für Werbemaßnahmen für die Ausgabe der Anleihen unter den Aktiva in der Bilanz aus - kein gutes Zeichen. DM Beteiligungen gab bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme ab. BÖRSE ONLINE hat mehrfach vor dem Unternehmen gewarnt und es auf die „Graue Liste“ gesetzt.

ISS
Bilanz steht noch aus

Die Immobilien Schutz und Service AG (ISS) aus Langenfeld bietet Inhaberschuldverschreibungen mit bis zu 7,2 Prozent Zinsen pro Jahr an. Das Dias bemängelt die Informationspolitik der ISS AG. Das Unternehmen habe in Emissionsprospekten wiederholt Umsatzzahlen ausgewiesen, die später revidiert worden seien. ISS-Vorstand Elmar Kühnen verteidigt sich: Anfragen würden unverzüglich beantwortet. Er verweist auf das Absicherungskonzept über Grundschulden, die Treuhänder verwalteten. Die ISS-Bilanz für 2004 ist noch nicht fertig.


Eine Stellungnahme zu diesem Artikel liegt uns bisher nicht vor.

Ihre Erfahrungen mit First Real Estate Ltd. können Sie uns unter Ihr Bericht mitteilen.

Recherchiert bei www.anlageschutzarchiv.de

  
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